An dieser Stelle wollen wir über die Arbeit zum Werkverzeichnis, technische Ausstattung und Voraussetzungen, Workflow und Datenbank in sporadischen Abständen Einblick in unsere Arbeit gewähren. Stichpunkte sind hier Kameratechnik, Software, Handling/Workflow und Datenbanksysteme.

1. Welche Kameratechnik ist die Richtige?

Wann setzen wir eine Kamera ein?
Das hängt im Wesentlichen von der Aufgabenstellung oder vom gewünschten Ergebnis ab.  Wenn die Bilder nur als Arbeitsfoto dienen sollen, reicht eine einfachere Qualität mit einer geringeren Auflösung. Allerdings besteht das Problem bei der Arbeit mit einer geringeren Qualität darin, dass das Bild zukünftig in einer hohen Qualität benötigt werden könnte. Deshalb sollte, wenn möglich, immer mit einer hohen Qualität gearbeitet werden. Dabei ist von normalen bis zu Vollformat-Spiegelreflexkameras mit folgenden Einschränkungen zu kämpfen:

  1. Es besteht die Gefahr, dass Objektive verzeichnen (Tonnenförmige Bilder), bis in die Liga der sehr teuern Objektive. Diese Unzuläglichkeit lässt sich heute softwaremäßig korrigieren, dabei wird das Motiv aber immer in Mitleidenschaft gezogen.
  2. Die Gefahr von Moreé-Bildung. Auch hier gilt das Vorgenannte, dass bei Einschränkungen mit einer Software nachgearbeitet werden kann.
  3. Bei fast allen Digitalkameras wird das Bild in der Kamera schon verrechnet. Eine objektive Einschätzung und Weiterverarbeitung wird damit beinträchtigt bis unmöglich und eine farbliche Beurteilung schwierig.
  4. Die meisten Objektive haben in der Bildmitte ihre größte Schärfe und verlieren zum Rand. In der Digitalisierung von Kunstwerken ist das unerwünscht.

Wir setzen eine Mittelformatkamera ein, wenn es schneller gehen soll, ein höherer Durchsatz gebraucht wird oder die baulichen Gegebenheiten den Aufbau eines Scanners nicht zulassen wie z.B. bei Außenaufnahmen. Bei der Mittelformatkamera ist die Auflösung nicht wesentlich höher als bei den Vollformatkameras. Der Unterschied liegt darin, dass die Pixeldichte geringer ist. Dies hat zur Folge, dass das Signal der einzelnen Pixel nicht so stark verstärkt werden muss. Die Objektive im Mitteformatbereich verzeichnen weniger bis gar nicht.

Wann setzen wir einen Scanner ein?
Ein Scanner wird eingesetzt, wenn es um die Erschließung feinster Details geht und dabei die Gefahr der Bildung von Artefakten und Moreés besteht, z.B. bei Materialien mit feinen Strukturen wie Stoffe oder Stiche. Zudem bietet sich die Nutzung eins Sacanners an, wenn eine konstante Beleuchtung möglich ist, auch unter einer verminderten Lichtintensität (UV-Belastung).

Wir richten uns bei unseren Aufnahmen und der Archivierung nach den Praxisregeln zur "Digitalisierung" der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Der Frage Kamera oder Scanner, widmen wir uns ausführlich auf der Website Digitalisierung-Kunst.

 

2. Was soll mit den Daten und Bildern geschehen? Fotografieren alleine reicht nicht.
Sollen die Bilder nur als Gedankenstütze oder Archivfoto dienen oder sollen diese eines Tages in Buchpublikationen, Karten, etc. veröffentlicht werden? Beim Digitalisiern hat man nicht immer im Blick, was zukünftig noch mit den Bildern geschehen wird. HIer verweisen wir auf das vorher gesagte zur Kameratechnik.

3. Welche Datenbank ist die Richtige?
Irgendwann wird die Menge der Bilder so groß, dass man den Überblick verliert. Fotodatenbanksysteme sind hier suboptimal weil die Verschlagwortung und Bewertung durch Sterne zu kurz greift. Erst wenn eine künstlerische Arbeit mit all seinen Daten Größe, Technick, Material, Datierung, usw. erfasst wird, bekommt man ein System mit dem man in der Lage ist quer zu suchen. Dies ist die Stunde der Datenbanken. Hier werden alle relevanten Informationen zum Künstler, zur einzelnen Arbeit und zum gesamten Werkbestand erfasst.
Wir raten von Bastellösungen in Form von Exceltabellen oder offenen Datenbanksystemen ab, wenn die Exportfähigkeit der Daten nicht gewährleistet werden kann. Auf dem Markt für Museumssoftware tummeln sich etliche Anbieter die wir im Einzelnen nicht getestet haben, die aber fast alle einen professionellen Eindruck gemacht haben.
Viele dieser Anbieter stellen eine Testversion des Systems zur Verfügung. Wir empfehlen dieses Angebot zu nutzen, um festzustellen, ob die angebotene Software im Einzelfall auch den eigenen Bedürfnissen entspricht.
Ein Aspekt dem man bei der Wahl der richtigen Datenbank auch Aufmerksamkeit schenken muss, ist, dass die Software ständig weiter entwickelt wird und ein Support zur Verfügung steht.

4. Welche Werke sollen ausgewählt werden?
Die Auswahl der Werke gestalltet sich mit unter ausgesprochen schwierig. Hier gehen auch die Meinungen von Kunsthistorikern weit auseinander. Einige sagen, dass es reicht, eine Werkauswahl zu treffen die für den Künstler typisch ist. Eine andere Meinung ist, dass man alle Arbeiten die man findet, dokumentiert, da man nicht abschätzen kann in welchem künstlerischen Kontext die Arbeiten irgendwann neu gesehen werden.
Wenn man als Laie vor der Frage steht "Wer trifft die Auswahl?", wäre die Begleitung durch einen ausgebildeten Kunsthistoriker anzuraten.

5. Wie sollen die Werke gekennzeichnet werden?
Um die Arbeiten zweifelsfrei zuzuordnen, kommt man um eine Kennzeichnung nicht herum. Dabei sind uns immer wieder die abenteuerlichsten Methoden untergekommen.
Die Arbeit sollte bei der Kennzeichnung keinen Schaden nehmen, d.h. es verbieten sich Signierstifte, Filzstifte, Klebeetiketten oder ähnliches. Wir empfehlen eine Nummerierung mit Bleistift am Blattrand, auf der Rückseite des Werkes.
Bei Stempeln ist die Durchsichtigkeit des Papiers zu prüfen, damit der Nachlass-, bzw. Werksverzeichnisstempel nicht von vorne sichtbar ist oder das Werk beeinträchtigt.

6. Wie archivieren und lagern wir die Werke am besten?
Grundsätzlich muss ein Raum trocken, heizbar und auch zu lüften sein. Papierarbeiten sollten in Archivschachteln oder in Mappen mit säurefreien, dünnen Zwischenbögen gelagert werden. Ein Ordnungssystem hilft bei der schnellen Auffindung einzelner Arbeiten. Gemälde sind im Regalsystem am besten aufgehoben.
Wir raten dringend von Umverpackungen in Kunststofffolien jedweder Art ab. Tücher oder Papier bieten hier außreichend Schutz, die Atmungsaktivität bleibt dadurch erhalten.