Das Werk eines Künstlers (über)lebt nicht nur vom Schaffen und der Persönlichkeit des Künstlers selbst, sondern zugleich von der Rezeption durch das Publikum. Selbst hervorragende, zu Lebzeiten anerkannte Künstler geraten schnell aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit, wenn sich nach ihrem Tod niemand mehr richtig um das Werk kümmert.
Kümmern alleine genügt jedoch nicht. Jeder Künstler hat einen Kreis an Freunden und Bewunderern, die ihn selbst kannten oder über öffentliche Präsentationen Zugang zu seinem Werk gefunden haben. Dieses Publikum muss sich ständig erweitern und erneuern, damit der Künstler und sein Werk nicht in Vergessenheit gerät. Hierzu sollte „den Neuen“ der Zugang zum Werk möglichst leicht gemacht werden – Konsequenz: Ein elektronisches Werkverzeichnis.

In die Werkverzeichnisarbeit zum Werk von Albert Fürst sind wir reingerutscht ohne eigentlich wirklich zu wissen, worauf wir uns da einlassen und völlig im Unklaren wie viel Arbeit die Erstellung eines Werkverzeichnisses verursacht. Mit unter ist es manchmal auch gut, dass man gar nicht so genau weiß, was da auf einen zukommt, weil man sonst das Projekt womöglich gar nicht angehen würde.

Nachfolgend möchten wir über den Start des Projekts Werkverzeichnis Albert Fürst und den damit zusammenhängenden Irrungen und Wirrungen berichten. Gleichzeitig möchten wir Interessenten Mut machen, digitale Werkverzeichnisse zu erstellen. Wir setzen hier die Auseinandersetzung mit dem Thema Werkverzeichnisse und Digitalisierung von Kunstwerken voraus.


Im Prinzip teilt sich die Arbeit an einem Werkverzeichnis in zwei große Arbeitsbereiche: Einmal in die Erfassung der Werke und andererseits in den fotografisch-bildnerischen Bereich.


Erfassung der Werke

Der Erfassung und Beschreibung der Werke, die in ein Werkverzeichnis aufgenommen werden sollen, kommt eine Schlüsselstellung gleich. Bei ersten Versuchen haben wir mit offenen Datenbanksystemen experimentiert. Eine der größten Schwächen solcher Systeme sind, dass sie nicht an spätere Systeme angepasst werden können, d.h. eine Migration der Daten nicht vorausgesetzt ist. Zudem gibt es für diese Systeme meistens keinen Ansprechpartner. Letztendlich haben wir uns für die Datenbank eines professionellen Anbieters für Museumssoftware entschieden, der auch eine bezahlbare Light-Version im Angebot hatte.

Allen Datenbanksystemen liegt der Gedanke einer Erfassungsmaske zugrunde. D.h. in ein vorgegebenes Datenblatt, strukturiert wie ein Formular, werden die verfügbaren Daten eines Werkes eingetragen. Professionelle Software-Entwickler haben Abfragemasken entwickelt, in denen alle relevanten Informationen abgefragt werden. Meist lassen sich die Formulare auch den eigenen Bedürfnissen anpassen. Ganz wichtig ist, dass nachfolgende Informationen zum Werk problemlos ergänzt werden können. Diese Art der Abfrage kann auch von interessierten Laien bewältigt werden. Aus heutiger Sicht würden wir bei der Ersteinrichtung einer solchen Datenbank jemanden zu Rate ziehen, der kunsthistorischer geschult ist, um z.B. geeignete Zeitraster für die Einteilung der Werke zu besprechen bevor man diesen einpflegt. Wir haben damals aus Zeitgründen darauf verzichtet, mit dem Ergebnis, dass es hinterher an der ein oder anderen Stelle Korrekturbedarf gab. Hier sollte die gewählte Software solche Korrekturen auch zulassen.

Es ist auch wünschenswert, dass die Daten in verschiedenen Formaten ausgegeben werden können, z.B. als Word-Dokument oder PDF.

Bevor man sich nun in die Arbeit stürzt, gibt es einige Fragen, die beantwortet werden müssen: Was will ich digitalisieren? Wen will ich damit erreichen? Welche Aufgabenfelder will ich damit abdecken?

Die Möglichkeiten zur Digitalisierung sind zahlreich. Digitalisiert werden können Gemälde, Grafiken, Skulpturen, Schriftgut, Pläne oder auch Karten.

Die grundsätzliche Frage ist, warum eine Digitalisierung sinnvoll ist. Einmal natürlich, um Kulturgut der Nachwelt zugänglich zu machen und zu sichern. Des weiteren wird die wissenschaftliche Arbeit gefördert, Historiker können sich schon im Vorfeld einen Überblick verschaffen und sparen sich teilweise lange Anfahrten.
Ein weiteres Aufgabenfeld, dem immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, ist, dass bei einer hochwertigen Digitalisierung eine Art Referenzbild vorhanden ist, welches zu einem bestimmten Zeitpunkt angefertigt wurde. Ab diesem Augenblick lassen sich Original und digitale Abbildung miteinander vergleichen, mit der Maßgabe, ob Licht, klimatische Einflüsse, Transport bei Ausleihe, usw. Veränderungen am Original bewirkt haben.
Wichtig ist Digitalisierung auch im Hinblick auf den Verbund mit weiteren Datenbanken zu Grafikportalen oder ähnlichem. Hier kann museums- bzw. institutsübergreifend recherchiert werden.
Genaugenommen kann man beim Start solcher Digitalisierungsprojekte sehr schwer abschätzen, in welche Richtung sich ein solches Projekt entwickeln wird. Wir empfehlen von daher, bei der Digitalisierung auf einen Mindestqualitätsmaßstab zu achten. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat zum Thema Digitalisierung einen Leitfaden veröffentlicht. Es wäre bedauerlich, wenn ein Digitalisierungsprojekt bei der Verknüpfung mit Datenbanken an der durchwachsenen Qualität der Bilder scheitern würde.

Fotografisch-bildnerischer Bereich

Neben der Erfassung der Werke in einer Datenbank spielt die fotografische Erfassung ebenfalls eine wichtige Rolle. Sie ist der Garant, dass die Daten dem richtigen Werk zugeordnet werden. Bei der Erstellung von Fotos halten wir folgende Kriterien für wichtig: Zum einen, dass die Bilder farbrichtig dargestellt werden und zum andern, dass die Auflösung ausreichend groß ist, um Details des Werkes und die Signatur sicher zu beurteilen. Auch Gesamtzustand und Beschädigungen lassen sich auf diese Weise dokumentieren. Eine generell Empfehlung für das ein- oder andere Kamerasystem zu geben, halten wir nicht für sinnvoll, zumal sich die Technik ständig weiterentwickelt. Als besondere Herausforderung erweist sich immer wieder die Digitalisierung von grafischen Arbeiten. Papierarten und -strukturen realistisch wiederzugeben ist die hohe Kunst der Digitalisierung.

Wir haben zu Beginn unserer Digitalisierungsarbeiten mit einer Spiegelreflexkamera im Vollformat gearbeitet. Aus zwei Gründen waren wir jedoch nach relativ kurzer Zeit unzufrieden. Zum einen lässt auch bei den hochpreisigen Objektiven die Schärfe zum Rand nach. Ein weiteres großes Manko ist, dass die Objektive häufig tonnenförmig verzerren. Zum anderen entsprechen die Farben häufig nicht dem Original, was am Verarbeitungsprozess der Daten innerhalb der Kamerasoftware liegt.

Die nächste Fotografische Stufe die wir erklommen haben, war ein Scanback der Firma Rencay (früher Amagramm-Linhof). Dieses System wird auf das Rückteil einer klassischen Großformatkamera adaptiert. Die Auflösung ist enorm und lässt auch die Beurteilung feinster Details zu. In diesen Systemen wird das Farbbild nicht Softwaretechnisch manipuliert, sondern wird eins zu eins an den Rechner übertragen. Weiterer nicht zu unterschätzender Vorteil, Strukturen werden ohne die Bildung von Moireés dargestellt. Sehr anfällig dafür sind Stiche und feine Stoffe. Nachteile solcher Scanlösungen sind: Dauerlicht wird benötigt, ein absolut schwingungsfreier Boden ist vonnöten und das Arbeiten ist recht zeitintensiv. Da wo es nötig ist, arbeiten wir immer noch sehr gerne damit.

Für die allermeisten unserer Digitalisierungsarbeiten sind wir auf eine Mittelformatkamera umgestiegen. Vorteile sind hier enorme Auflösung, kontrollierbares Farbmanagement und ein zügiges Arbeiten. Die digitalen Rückteile lassen sich auch den Auflösungsanforderungen anpassen. Größter Nachteil des digitalen Mittelformats sind die sehr hohen Anschaffungspreise.

Nicht zu vergessen:

Leider ist es mit der Anschaffung eines Kamerasystems und einer Datenbank nicht getan. Weitere Bausteine sind vonnöten. Da wäre ein Monitor, der sich farblich kalibriert oder kalibrieren lässt. Ohne einen kalibirierbaren Monitor ist eine Farbbeurteilung schwierig bis unmöglich. Ebenfalls von großer Wichtigkeit ist ein Bildbearbeitungsprogramm. Hier ist Photoshop als Marktführer zu benennen. Bildgröße, Auflösung und Ausgabeformate werden in Photoshop festgelegt. Für die Entwicklung der kameraeigenen Bilder ist je nach System ein eigener RAW-Entwickler von Vorteil.

Außenaufnahmen
Außenaufnahmen
Außenaufnahmen

Es ist nicht immer möglich, die Bilder im Atelier zu fotografieren. Manchmal ist es nötig, die ganze Kameratechnik zu verladen und am Ort des Geschehens zu fotografieren. Bei Außenaufnahmen muss man auf die richtigen Lichtverhältnisse warten und mitunter ist Improvisierungstalent gefragt.

 

Für noch mehr Informationen zur Kameratechnik und Nachlass-Digitalisierung laden wir Sie ein, die Seite Digitalisierung-Kunst.de zu besuchen. Informationen zur Erstellung eines eigenen Werkververzeichnisses erhalten Sie auf der Homepage Werkverzeichnis-Digital.de.