An dieser Stelle wollen wir über die Arbeit zum Werkverzeichnis, technische Ausstattung und Voraussetzungen, Workflow und Datenbank in sporadischen Abständen Einblick in unsere Arbeit gewähren. Stichpunkte sind hier Kameratechnik, Software, Handling/Workflow und Datenbanksysteme.

Im Vorfeld gibt es einige Fragen, die beantwortet werden müssen: Was will ich digitalisieren? Wen will ich damit erreichen? Welche Aufgabenfelder will ich damit abdecken?

Die Möglichkeiten zur Digitalisierung sind zahlreich. Digitalisiert werden können Gemälde, Grafiken, Skulpturen, Schriftgut, Pläne oder auch Karten.

Die grundsätzliche Frage ist, warum eine Digitalisierung sinnvoll ist. Einmal natürlich, um Kulturgut der Nachwelt zugänglich zu machen und zu sichern. Des weiteren wird die wissenschaftliche Arbeit gefördert, Historiker können sich schon im Vorfeld einen Überblick verschaffen und sparen sich teilweise lange Anfahrten.
Ein weiteres Aufgabenfeld, dem immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, ist, dass bei einer hochwertigen Digitalisierung eine Art Referenzbild vorhanden ist, welches zu einem bestimmten Zeitpunkt angefertigt wurde. Ab diesem Augenblick lassen sich Original und digitale Abbildung miteinander vergleichen, mit der Maßgabe, ob Licht, klimatische Einflüsse, Transport bei Ausleihe, usw. Veränderungen am Original bewirkt haben.
Wichtig ist Digitalisierung auch im Hinblick auf den Verbund mit weiteren Datenbanken zu Grafikportalen oder ähnlichem. Hier kann museums- bzw. institutsübergreifend recherchiert werden.
Genaugenommen kann man beim Start solcher Digitalisierungsprojekte sehr schwer abschätzen, in welche Richtung sich ein solches Projekt entwickeln wird. Wir empfehlen von daher, bei der Digitalisierung auf einen Mindestqualitätsmaßstab zu achten. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat zum Thema Digitalisierung einen Leitfaden veröffentlicht. Es wäre bedauerlich, wenn ein Digitalisierungsprojekt bei der Verknüpfung mit Datenbanken an der durchwachsenen Qualität der Bilder scheitern würde.

1. Wann setzen wir welches Kamerasystem ein?

Das hängt im Wesentlichen von der Aufgabenstellung oder vom gewünschten Ergebnis ab.  Wenn die Bilder nur als Arbeitsfoto dienen sollen, reicht eine einfachere Qualität mit einer geringeren Auflösung. Allerdings besteht das Problem bei der Arbeit mit einer geringeren Qualität darin, dass für den Fall, dass mehr Qualität benötigt wird, diese dann nicht mehr zur Verfügung steht. Deshalb sollte, wenn möglich, immer mit einer hohen Qualität gearbeitet werden.

Als wir das Digitalisierungsprojekt Albert Fürst gestartet haben, hatten wir eine Vollformatkamera der Marke Nikon D700 zur Verfügung. Die erst Begeisterung ist schnell einer Ernüchterung gewichen. Sowohl in der Farbtreue, als auch in der Auflösung feiner Details ließen die Ergebnisse zu wünschen übrig. (Auch wenn die Auflösung bei den heutigen Spiegelreflexkameras erheblich vergrößert wurde, bleibt immer noch das Problem der Farbtreue). Um die Qualität zu verbessern war die nächste Anschaffung ein Scanback der Firma Rencay. Das Scanback wird an eine Großformatkamera adaptiert, die mit entsprechenden Objektiven für den Reprobereich ausgestattet werden kann. Diese Art der Aufnahmetechnik lässt in Bezug auf Auflösung und Farbtreue keine Wünsche offen und erfüllt höchste Qualitätsansprüche.

Wenn man am Ziel ist, stellt sich folgende Frage: Warum ein weiteres Kamerasystem? Das Rencaysystem braucht während des gesamten Scanvorgangs, ca. 2-3 Minuten, Dauerlicht. In dieser Zeit muss das Umfeld zudem absolut erschütterungsfrei sein, was sich nicht überall bewerkstelligen lässt. Aus dem Grunde brauchten wir ein System, das bei gleicher oder ähnlicher Qualität ohne die vorgenannten Einschränkungen zu händeln ist. Wir haben uns für ein Kamerasystem der Firma Mamya (Baugleich Phase One) entschieden. Im Verband mit den Objektiven der Firma Schneider lassen sich auch hier hervorragende Ergebnisse erzielen. Die Qualität des Blitzlichts ist konstant und durch entsprechende Filter kann der Anteil des UV-Lichts erheblich reduziert werden.

Wann setzen wir welches Kamerasystem ein? Vor- und Nachteile:

Vollformat Spiegelreflex: Wenn es auf hohen Durchsatz ankommt oder bei Arbeitsfotos
Vorteile: Schnell, handlich, hohe Verfügbarkeit, große Auswahl an Modellen und Objektiven, überschaubarer finanzieller Einsatz
Nachteile: Objektive verzeichnen (tonnenförmige Bilder) bis in die Liga der sehr teuern Objektive, Gefahr von Moreé-Bildung, interne Bildbearbeitung (macht eine Beurteilung der Farben schwierig bis unmöglich)

Mittelformatkamera
Vorteile: Hohe Geschwindigkeit, farblich keine Eingriffe in die Bildbearbeitung, hohe Verfügbarkeit
Nachteile: Hohe Kosten

Scanback
Vorteile: Extrem hohe Auflösung, Farbqualität neutral, keine Moreé-Bildung
Nachteile: Aufwendig bei Aufbau und Einrichtung, Dauerlicht, erschütterungsfreie Umgebung, beim Scannen zeitaufwendig

Der Frage Kamera oder Scanner, widmen wir uns unter anderem auf der Website Digitalisierung-Kunst.

 

2. Was soll mit den Daten und Bildern geschehen? Fotografieren alleine reicht nicht.
Sollen die Bilder nur als Gedankenstütze oder Archivfoto dienen oder sollen diese eines Tages in Buchpublikationen, Karten, etc. veröffentlicht werden? Beim Digitalisiern hat man nicht immer im Blick, was zukünftig noch mit den Bildern geschehen wird. HIer verweisen wir auf das vorher gesagte zur Kameratechnik.

3. Welche Datenbank ist die Richtige?
Irgendwann wird die Menge der Bilder so groß, dass man den Überblick verliert. Fotodatenbanksysteme sind hier suboptimal weil die Verschlagwortung und Bewertung durch Sterne zu kurz greift. Erst wenn eine künstlerische Arbeit mit all ihren Daten Größe, Technick, Material, Datierung, usw. erfasst wird, bekommt man ein System mit dem man in der Lage ist quer zu suchen. Dies ist die Stunde der Datenbanken. Hier werden alle relevanten Informationen zum Künstler, zur einzelnen Arbeit und zum gesamten Werkbestand erfasst.
Wir raten von Bastellösungen in Form von Exceltabellen oder offenen Datenbanksystemen ab, wenn die Exportfähigkeit der Daten nicht gewährleistet werden kann. Auf dem Markt für Museumssoftware tummeln sich etliche Anbieter die wir im Einzelnen nicht getestet haben, die aber fast alle einen professionellen Eindruck gemacht haben.
Viele dieser Anbieter stellen eine Testversion des Systems zur Verfügung. Wir empfehlen dieses Angebot zu nutzen, um festzustellen, ob die angebotene Software im Einzelfall auch den eigenen Bedürfnissen entspricht.
Ein Aspekt dem man bei der Wahl der richtigen Datenbank auch Aufmerksamkeit schenken sollte, ist, dass die Software ständig weiter entwickelt wird und ein Support zur Verfügung steht.

4. Welche Werke sollen ausgewählt werden?
Die Auswahl der Werke gestalltet sich mit unter ausgesprochen schwierig. Hier gehen auch die Meinungen von Kunsthistorikern weit auseinander. Einige sagen, dass es reicht, eine Werkauswahl zu treffen die für den Künstler typisch ist. Eine andere Meinung ist, dass man alle Arbeiten die man findet, dokumentiert, da man nicht abschätzen kann in welchem künstlerischen Kontext die Arbeiten irgendwann neu gesehen werden.
Wenn man als Laie vor der Frage steht "Wer trifft die Auswahl?", wäre die Begleitung durch einen Kunsthistoriker anzuraten.

5. Wie sollen die Werke gekennzeichnet werden?
Um die Arbeiten zweifelsfrei zuzuordnen, kommt man um eine Kennzeichnung nicht herum. Dabei sind uns immer wieder die abenteuerlichsten Methoden untergekommen.
Die Arbeit sollte bei der Kennzeichnung keinen Schaden nehmen, d.h. es verbieten sich Signierstifte, Filzstifte, Klebeetiketten oder ähnliches. Wir empfehlen eine Nummerierung mit Bleistift am Blattrand, auf der Rückseite des Werkes.
Bei Stempeln ist die Durchsichtigkeit des Papiers zu prüfen, damit der Nachlass-, bzw. Werksverzeichnisstempel nicht von vorne sichtbar ist oder das Werk beeinträchtigt.

6. Wie archivieren und lagern wir die Werke am besten?
Grundsätzlich muss ein Raum trocken, heizbar und auch zu lüften sein. Papierarbeiten sollten in Archivschachteln oder in Mappen mit säurefreien, dünnen Zwischenbögen gelagert werden. Ein Ordnungssystem hilft bei der schnellen Auffindung einzelner Arbeiten. Gemälde sind im Regalsystem am besten aufgehoben.
Wir raten dringend von Umverpackungen in Kunststofffolien jedweder Art ab. Tücher oder Papier bieten hier außreichend Schutz, die Atmungsaktivität bleibt dadurch erhalten.